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Die Positive Psychologie und das PERMA-Modell

[Autor*in: Nina Wolf]

 

Die Positive Psychologie und das PERMA-Modell

Ich freue mich, dass du dir Zeit für diesen Beitrag nimmst: Nicht, weil du dir diesen Artikel durchliest, sondern um dich mit dem zu beschäftigen, was dir wirklich am Herzen liegen sollte: Mit dir selbst. Warum ich mich darüber freue? Dazu später mehr.

 

Die Positive Psychologie – Wie alles begann

Psychologen haben sich in den vergangenen Jahrzehnten den Ruf erworben, Experten für das Erkennen und Behandeln von seelischen Störungen zu sein. Und das durchaus zu Recht. Wir wissen heute mehr denn je über die Entstehung und die Wirkmechanismen psychischer Erkrankungen und wie wertvoll dieses Wissen ist, erfahren wir spätestens dann, wenn wir selbst oder uns nahestehende Menschen auf eine wirksame Behandlung angewiesen sind.

Und gleichzeitig garantiert die Abwesenheit krankheitswertiger Symptome längst nicht, dass wir mit unserem Leben zufrieden und mit uns im Reinen sind. Die Abwesenheit psychischer Erkrankung ist also nicht gleichzusetzen mit Gesundheit und Wohlbefinden.

Zu diesem Schluss kam nicht zuletzt Martin Seligman, der mit seinen Forschungsergebnissen zum Konzept der „erlernten Hilflosigkeit“ schon Ende der 70er Jahre einen Meilenstein in der Behandlung depressiver Patienten gelegt hat. Kurz vor der Jahrtausendwende nun forderte Seligman einen Paradigmenwechsel nicht nur in der Behandlung depressiver Patienten: Zentrales Ziel jeder Psychotherapie sollte neben der Linderung der akuten Symptomatik immer auch die Steigerung des subjektiven Wohlbefindens, der Lebenszufriedenheit und der psychischen Leistungsfähigkeit sein.

In seiner Antrittsrede, die 1998 hielt, als er zum Präsidenten der Amerikanischen Psychologen-Vereinigung gewählt worden war, formierte er die Grundgedanken eines neuartigen Forschungszweigs der amerikanischen Psychologie: Die Positive Psychologie und mit ihr die wissenschaftliche Forschung zu optimaler menschlicher Leistungsfähigkeit war geboren. Die Positive Psychologie möchte Antworten auf die Fragen liefern, wie wir Erfüllung und Sinn im Leben finden, Wohlbefinden und Glückserleben fördern und Stärken und Ressourcen entwickeln können, die uns ein gelungenes Leben ermöglichen.

Die Kernfragen der Positiven Psychologie zusammengefasst:

  • Wie kann man Glück definieren und messen?
  • Wie lässt sich subjektives Wohlbefinden steigern?
  • Warum sind manche Menschen oder Gruppen glücklicher als andere?
  • Was sind unterstützende Faktoren für gelingendes Leben und Arbeiten

[nach Blickhan, 2018]

 

Das Interesse daran, was Menschen zufrieden, leistungsfähig und widerstandsfähig macht, wächst insbesondere in Zeiten, in denen die Herausforderungen an die mentale Gesundheit groß sind. Die Hoffnung, durch Interventionen aus der Positiven Psychologie einen Beitrag zur Stärkung der mentalen Gesundheit zu erfahren, sind groß und berechtigt.

Auch wenn kritische Stimmen der Positiven Psychologie vorwerfen, dass die Forschungsergebnisse (noch) nicht ausreichend empirisch validiert seien, weisen drei Metaanalysen (Quelle!!!) deutlich auf die Wirksamkeit positiv psychologischer Interventionen sowohl für den klinischen als auch für den nicht-klinischen Bereich hin.

Es liegen zahlreiche Forschungsergebnisse vor, die unser Wissen über motivationale Prozesse, wirksame Zielsetzungen, die Macht der Einstellung und nicht zuletzt zur Rolle des Selbstwerts im Zusammenhang mit einem als lebenswert empfunden Daseins wertvoll ergänzt haben. Aus diesem Wissen heraus wurden wirksame Strategien, Übungen und Impulse abgeleitet, die – regelmäßig praktiziert und wiederholt – einen echten Unterschied bewirken können und die subjektiv empfundene Lebensqualität deutlich steigern können.

Warum freue ich mich also, dass du dir die Zeit für diesen Artikel nimmst? Weil ich der festen Überzeugung bin, dass du von den Erkenntnissen, die die Positive Psychologie in den letzten 20 Jahren hervorgebracht hat, auf eine Weise profitieren kannst, die game changing wirken kann.

Neugierig geworden? Dann lass uns konkret werden!

 

Das PERMA-Modell

Das Herzstück der Positiven Psychologie ist das PERMA-Modell von Martin Seligman. Es ist eines meiner Lieblingsmodelle und auf den folgenden Seiten möchte ich dich mitnehmen auf eine Reise, bei der du dir selbst am Ende ein gutes Stück nähergekommen gekommen sein wirst.

PERMA ist ein Akronym und steht für Positive Emotionen, Engagement (Stärken einsetzen), Relationships (Beziehungen), Meaning (Sinn) und Achievement/Accomplishment (Zielerreichung).

Diese fünf Bereiche bilden die Säulen, auf denen dein persönliches Wohlbefinden und deine Zufriedenheit gebaut sind. Die Idee und Ergebnisse von Studien zeigen: Wenn alle fünf Säulen ausreichend erfüllt sind, die Füllstände also hoch sind, dann wirst du aller Voraussicht nach ein gutes und erfülltes Leben führen.

Im Folgenden möchte ich dir die einzelnen Dimensionen des PERMA-Modells etwas näher erläutern und dir zu jedem Aspekt auch erste Ideen an die Hand geben, wie du diese stärken kannst:

Was braucht es für dich, um glücklich zu sein? Wahrscheinlich spielt es eine große Rolle für dich, sich einfach wohlzufühlen. Genau darum geht es bei der ersten Säule. Um ein dauerhaft erfülltes Leben zu führen, reicht es nicht, dass du es schaffst, negative Emotionen im Zaum zu halten oder möglichst wenig von ihnen zu haben.

 

Du bist jeden Tag von negativen Einflüssen umgeben und wirst sie wahrscheinlich auch stärker wahrnehmen als positive Ereignisse. Wenn du ein gutes Leben führen möchtest, dann wähle nicht nur einen bewussten Umgang mit negativen Gefühlen, sondern entscheide dich bewusst für positive Gefühle. Denn: Die negativen Erlebnisse kommen meist von allein. Für die positiven müssen wir etwas mehr tun.

Barbara Fredrickson beschreibt in ihrem Buch „Die Macht der positiven Gefühle“ 10 positive Emotionen, die einen besonders positiven Effekt auf dein Glück und Wohlbefinden haben.

​​​​Es sind:

  1. Freude
  2. Dankbarkeit
  3. Heiterkeit (Gelassenheit)
  4. Interesse (Entdeckerfreude)
  5. Hoffnung
  6. Stolz
  7. Inspiration
  8. Spaß / Vergnügen
  9. Ehrfurcht (Staunen)
  10. Liebe

Frag dich doch mal: Wann hast du diese Emotionen erlebt? Wie regelmäßig sorgst du dafür, dass diese Gefühle Platz in deinem Alltag haben? Was tust du, um sie besonders deutlich zu spüren?

Das kannst du tun:

Einen positiven Tagesrückblick oder ein Dankbarkeitstagebuch schreiben

Um den Blick für die positiven Gefühle zu schärfen, die du über den Tag verteilt empfindest, kann der „Positive Tagesrückblick“ ein sehr einfaches und enorm effektives (und wissenschaftlich nachgewiesenes) Tool sein.
Dafür nimmst du dir abends einfach 10-15 Minuten Zeit, um dir deinen Tag noch einmal vor Augen zu führen und dir dabei die folgenden 4 Fragen zu beantworten:

  • Was hat mir heute Freude bereitet?
    (hier sind die kleinen Freuden des Alltags gemeint, nicht die langersehnte Beförderung, das neue Auto oder der erste Tag des Jahresurlaubs
    !)
  • Wo habe ich mich heute lebendig und in meinem Element gefühlt?
  • Wofür und wem kann ich heute dankbar sein?
  • Welche Stärken konnte ich heute ausleben?

[frei nach Markus Ebner von der Universität Wien: „4 Evening Questions“]

Deine persönlichen Stärken sind ein wichtiger Bestandteil eines erfüllten Lebens. Sobald du deine Stärken richtig einsetzt und auslebst, kommst du automatisch in ein „Flow-Gefühl“. Dieses Flow-Gefühl lässt dich Zeit und Raum vergessen, du gehst vollkommen in deiner Tätigkeit auf. Ich kenne Menschen, die dieses Gefühl aus Mathe-Klausuren kennen (kein Scherz!), andere erleben einen Flow beim Joggen, während sie malen, Musik machen oder auch schreiben.

Häufig genug können wir jedoch gar nicht genau sagen, welches eigentlich unsere großartigen Stärken und Talente sind. Auf die Frage reagiert nicht selten zuerst einmal unser „innerer Kritiker“, der sich bestens darauf versteht, uns klein zu halten und unsere Stärken herunterzuspielen. Sooo großartig ist dann unser Talent zu schreiben, einen schwierigen Kunden zu besänftigen, einen Projektplan aufzustellen oder dem eigenen Kind geduldig bei den Mathe-Hausaufgaben zu helfen doch gar nicht. Andere können sich noch viel eloquenter ausdrücken, so schwierig war der Kunde am Ende doch nicht, den Projektplan haben wir von einem Vorgänger kopiert und Gott sei Dank waren die Mathe-Hausaufgaben dieses Mal gar nicht so schwer… Wir betrachten Dinge, die uns leichtfallen, eben oft nicht als Stärke, sondern finden äußere Gründe für unseren Erfolg. Dabei übersehen wir, dass wir einen Lernweg hinter uns haben, der es uns heute ermöglicht, eine Handlung ohne Anstrengung auszuführen.

Das kannst du tun: Werde dir deiner Stärken bewusst!

Wie wäre es nun, wenn du dir deiner Stärken und Talente bewusst wärst und diese ganz gezielt einsetzen würdest? Frage dich doch einfach einmal:

  • Wann und in welcher Situation hatte ich das letzte Mal so etwas wie ein Flow-Erleben?
  • Gibt es Momente, in denen ich gedacht habe, dass ich etwas wirklich gut kann?

 

Wenn du dich näher mit deinen Stärken beschäftigen möchtest, lege ich dir die Zusammenstellung von Martin Seligman und Christopher Peterson ans Herz: Die beiden haben im Rahmen ihrer Arbeit am VIA-Institut (Values in Action) 24 universell gültige Charakterstärken ermittelt. Ihr Einsatz fördert das Flow-Erleben, du erlebst mehr positive Gefühle und gewinnst das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun.
Unter dem folgenden Link der Uni Zürich kannst du den VIA-Charakterstärkentest online und kostenlos durchführen:
https://www.charakterstaerken.org

Übrigens: Wissenschaftliche Studien zeigen, dass 5 der 24 Charakterstärken für das gute, gelingende Leben besonders wichtig sind: Hoffnung, Neugier, Dankbarkeit, Bindungsvermögen und Enthusiasmus. Wie würdest du es für dich einschätzen? Setzt du diese Stärken bereits regelmäßig und bewusst ein in deinem Leben?

Other people matter!

Die Qualität der Beziehungen zu unserem engsten sozialen Umfeld bestimmt zu einem gewichtigen Teil darüber, wie wohl wir uns in unserem Leben fühlen.

Erinnere dich doch einmal ganz bewusst an eine der letzten Verabredungen mit deinem besten Freund oder deiner besten Freundin: Ihr habt euch über Alltägliches ausgetauscht, gelacht, vielleicht auch Sorgen geteilt und gemeinsame Pläne für die Zukunft geschmiedet – euch füreinander interessiert, euch aufeinander eingelassen und euch damit eure Verbundenheit signalisiert. Dieses Erleben versetzt uns in Hochstimmung. Wir fühlen uns zugehörig, akzeptiert und sobald so manches Alltagsleid erst geteilt ist, fühlt es sich nur noch halb so schwer an. So können wir wie durch ein Schutzschild geschützt den Widrigkeiten des Alltags besser begegnen.

Ob das für dich dein Partner ist, deine Familie oder eben deine beste Freundin, spielt keine Rolle. Dein Glücksbarometer schlägt an, wenn du von Menschen umgeben bist, die dir guttun und bei denen du dich geborgen fühlst.

Das kannst du tun (1): Erstelle ein Beziehungsbarometer!

Halte für einen Moment inne und frage dich:

  • Auf wen in deinem Umfeld kannst du dich 1000%ig verlassen?
  • Geben dir deine täglichen Kontakte Energie oder rauben sie dir Energie?
  • Wie oft am Tag bist du bewusst dankbar für die Menschen, die dir guttun?
  • Wann hast du deiner besten Freundin, deinem Partner oder deiner Mutter das letzte Mal gesagt, dass du froh bist, sie zu haben?
  • Wieviel, wann und wie investierst du in diese wertvollen Beziehungen?

Genauso wie du in stärkende Beziehungen bewusst Zeit und Aufmerksamkeit investieren solltest, darfst du dich auch kritisch nach Beziehungen fragen, die dir nicht (mehr) guttun und dir erlauben, diese zu beenden. Nimm dir eher Zeit für Treffen mit denen, die dir Energie geben. Zeige deinem Gegenüber, dass dir viel an ihm liegt.

 

Das kannst du tun (2): „Random acts of kindness“

Es ist wissenschaftlich nachgewiesen, dass sogenannte „Random acts of kindness“, also kleine Gesten der Aufmerksamkeit, die Zufriedenheit deutlich steigern. Und zwar nicht nur bei dem Beschenkten, sondern auch bei dem, der schenkt.

„Random acts of kindness“ sind kleine Nettigkeiten, die du wie zufällig verteilst. Und das ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Theoretisch ganz leicht. Praktisch gehen diese kleinen Gesten aber häufig im Alltag unter. Denn die meisten von uns hetzen durch ihren Alltag, fokussieren sich auf ihren Stress und haben das Gefühl, für nahezu nichts mehr, das ihnen wirklich wichtig ist, Zeit zu haben. Diese zufälligen Akte und Gesten der Freundlichkeit wieder einzustreuen bedeutet, sich Zeit zu nehmen und innezuhalten. Das kann ein Post-It mit einer freundlichen Nachricht auf der Kaffeemaschine im Büro sein, eine Blume, die du deiner Friseurin beim nächsten Besuch schenkst oder ein Kompliment für deine Kollegin, die dich morgens stets freundlich begrüßt.

„Sei freundlich, wenn es geht. Es geht immer.“ (Dalai-Lama)

Aus der psychologischen Forschung wissen wir, dass starkes subjektives Sinnerleben hoch mit Lebenszufriedenheit und Glück korreliert. Fehlt uns der Sinn in dem was wir tun, geraten wir in ein Motivationstief. Fehlt uns das subjektive Sinnerleben sogar dauerhaft, drohen sozialer Rückzug und Depression.

Gleichzeitig ist die Frage nach dem Sinn im Leben nicht nur für die großen Dichter und Denker eine Nuss, die schwer zu knacken ist. Haben wir den Anspruch, DEN Sinn in unserem Leben zu finden, fühlt sich dies überfordernd und kaum lösbar an. Wenn wir das Sinn-Konzept allerdings psychologisch etwas feiner differenzieren, wird es händelbar. Robert Emmons, dessen Forschungsschwerpunkt Sinnerleben und Dankbarkeit sind, hat 2003 vier zentrale Bereiche identifiziert, aus denen sich subjektives Sinnerleben speist:

Leistung und Arbeit:
Ich erlebe Sinn, wenn ich vom Wert meiner Arbeit überzeugt bin und das Gefühl habe, dass mein Beitrag zählt.

Beziehungen und Nähe:
Verlässliche und vertrauensvolle Beziehungen zu anderen Menschen sorgen für Sinnerleben. Ich fühle mich als Teil einer Gemeinschaft, gebe und empfange Hilfe und bin eingebunden.

Religion und Spiritualität:
Leiste ich einen Beitrag in einer Glaubensgemeinschaft, fühle ich eine Verbindung zu Gott bzw. einer höheren Instanz und glaube ich vielleicht sogar an ein Leben nach dem Tod, erlebe ich mein Leben als sinnvoll.

Selbsttranszendenz und Generativität:
Viele Menschen erleben Ihr Dasein als sinnvoll, wenn sie nicht nur im eigenen Interesse handeln, sondern einen Beitrag zu einer Gemeinschaft bzw. der Gesellschaft oder der Umwelt leisten.

Wie geht es dir bei der Betrachtung dieser vier Sinn-Dimensionen? Findest du dich wieder in einer der Beschreibungen? Alternativ könntest du auch der Frage nach deinem „Purpose“ nachgehen, Sinn-Erleben also übersetzen mit Bestimmung: Was betrachtest du als deine ganz persönliche Mission? Welches sind deine zentralen Werte, Ziele und Prioritäten im Leben? Bestimmung heißt hier, das eigene Leben als bedeutsam und sinnvoll anzusehen und im Einklang mit deinen Werten und Zielen zu handeln.

 

Das kannst du tun: Schreibe einen Nachruf auf dich selbst

Falls du selbst auch auf der Suche nach dem Sinn in deinem Leben bist, dann nimm dir 20 Minuten Zeit, um ihm auf die Spur zu kommen. Wie? Schreibe einen Nachruf auf dich selbst. Das mag erst einmal schwierig klingen, aber ich kann dir versichern, dass es dir, wenn du dir erst einmal einen Ruck gegeben hast, viel leichter fallen wird, als du zunächst denkst.

Nimm dir in jedem Fall ausreichend Zeit für diese Übung und schreibe einfach drauf los. Was sollen andere auf deiner Beerdigung einmal über dich sagen? Wie sollen sie an dich zurückdenken? Welche Erinnerungen an dich sollen bleiben? Welche wichtigen Meilensteine in deinem Leben wirst du erlebt haben?

Such dir einen ungestörten Ort und schreibe für 20 Minuten einfach drauf los. Am Ende lege die Blätter für ein paar Tage zur Seite. Wenn du deinen Nachruf mit ein wenig Abstand noch einmal liest überlege dir, was dort an Werten, Wünschen und Sehnsüchten drinsteckt. Was müsstest du tun, damit diese Dinge irgendwann tatsächlich über dich gesagt werden?

Ziele geben unserem Leben Richtung und Struktur und auch wenn sie im alltäglichen manchmal banal daherzukommen scheinen, so können sie insgesamt doch darauf hinweisen, was wir als sinnvoll, wichtig und wertvoll halten. Es liegt also nahe, dass die Abgrenzung zum Sinn-Erleben fließend ist. Betrachten wir Accomplishment oder Achievement also für einen Augenblick als die „kleine Schwester“ des Sinn-Erlebens.

Wir wissen heute, dass es Ziele gibt, die uns langfristig glücklicher als andere machen. Dazu gehören Kompetenzziele (das Erleben der eigenen Selbstwirksamkeit ist vom Kleinkindalter bis zum Lebensende eine der wichtigsten motivationalen Triebfedern) sowie generative Ziele, die dadurch gekennzeichnet sind, dass wir etwas an andere weitergeben (Wissen teilen, andere in ihrer Entwicklung unterstützen) oder auch einen Beitrag zum großen Ganzen leisten (ein Kind zeugen, ein Haus bauen, einen Apfelbaum pflanzen).

Langfristig weniger glücklich machen hingegen Wohlstand, soziale Anerkennung, Macht und Einfluss, Unabhängigkeit sowie äußerliche Attraktivität. Generell gilt: Sämtliche Ziele, die auf äußere Anerkennung abzielen, machen auf Dauer nicht glücklich, zumal sie nicht im eigenen Handlungsbereich liegen. Wer also Ziele verfolgt, die mit der Anerkennung durch andere verknüpft sind, wird viel Energie aufbringen müssen, um andere zu einer positiven Bewertung der eigenen Person zu motivieren.

Das kannst du tun (1): Komme deinen Zielen mit deinem perfekten Tag auf die Spur

Es kann gut sein, dass es dir schwerfällt, konkrete Ziele in deinem Leben zu benennen. In diesem Fall plane deinen perfekten Tag!

Damit meine ich nicht irgendeinen idealen Tag, den du vielleicht häufiger erlebst, sondern einen, der über deinen ganz normalen Alltag hinausgeht. Deiner Kreativität sind auch hier keinerlei Grenzen gesetzt. Stell dir dich in einem Jahr (oder auch 2 oder 3 Jahren vor) und überlege, wie dann ein perfekter Tag aussieht. Beschreibe diesen Tag so konkret und so emotional wie möglich.

  • Mit wem möchte ich an diesem Tag zusammen sein? Von welchen Menschen bin ich umgeben?
  • Wo will ich aufwachen? Habe ich ein Haus, eine Wohnung, wohne ich in der Stadt oder auf dem Land?
  • Wie verbringe ich meine Zeit? Was genau mache ich heute?
  • Wie bin ich dann? Welche Stärken habe ich und wie setze ich sie ein? 

 

Das kannst du tun (2): Beschreibe dein „Best possible Self“

Eine weitere schöne Übung ist die Skizze deines „Best possible Self“. Positive Zukunftsvorstellungen über dein eigenes Selbst können zu emotionaler Stabilität und Lebenszufriedenheit beitragen. Nach Laura King, die diese Übung 2001 beschrieben hat, gehst du dabei wie folgt vor:

Nimm dir viermal jeweils 20 Minuten Zeit zum Schreiben, am besten an vier aufeinander folgenden Tagen.

Tag 1

Wähle zunächst einen Lebensbereich (beruflich, privat, Beziehungen, Gesundheit, Umgang mit dir selbst…) und einen Zeitrahmen dafür: in 5 Jahren, in 10 Jahren, in 20 Jahren.

Stell dir nun vor, dass bis zu diesem Zeitpunkt alles bestmöglich verlaufen ist: Du hast deine Stärken aktiv eingesetzt, hast deine Chancen genutzt und bist deinen Lebenszielen insgesamt nähergekommen.

Versetze dich nun in dein zukünftiges Selbst und nimm dir Zeit, dort gefühlsmäßig „anzukommen“. Welche inneren Bilder sind hier präsent und wie fühlt sich dies körperlich an?

Nimm dir nun den Stift zur Hand und beschreibe, wie es dir hier geht, was du tust und was dir wichtig ist. Schreibe 15 – 20 Minuten, ganz spontan, aus dem Bauch heraus und ohne groß nachzudenken.

Schreibe kontinuierlich weiter, auch und GERADE wenn du denkst, dass dir jetzt nichts mehr einfällt. Schreibe trotzdem weiter!

Am Ende der Zeit legst du das Geschriebene beiseite und nimmst dir Zeit, um mögliche Veränderungen in deinem Befinden wahrzunehmen. Lies deinen Text am besten erst nach Abschluss der gesamten Übung und lass ihn so lange „wirken“.

Tag 2, 3 und 4

Wiederhole die Übung mit einem anderen Lebensbereich.

Lass dich vom Ergebnis überraschen!

 

Und nun: Herzlichen Glückwunsch!

Du hast dich intensiv mit den zentralen Aspekten beschäftigt, die ein gelungenes Leben ausmachen.

Dein Werkzeugkoffer ist nun gut gefüllt mit vielen Übungen und Methoden aus der Positiven Psychologie entlang des PERMA-Modells. Es ist nicht notwendig, dass du die Übungen chronologisch bearbeitest. Vielleicht suchst du dir auch erst einmal die ein oder zwei Methoden aus, die dir am hilfreichsten erscheinen. Vertrau deinem Gefühl und beschäftige dich mit den Fragen, auf die du spontan am meisten Lust hast.

Vielleicht hilft es dir auch, wenn du dir fünf Fässer vorstellst. Überlege dir für dich: Wie steht es um den Füllstand dieser Fässer? Sind alle fünf reichhaltig gefüllt?  Auf der folgenden Seite findest du ein Übungsblatt dazu.

Manchen Menschen fällt es leichter, diese Art von Bestandsaufnahme im Dialog zu erheben. Such dir gern eine Person deines Vertrauens, mit der du dich über die 5 Säulen austauschst. Vielleicht möchte dein Gegenüber sich ebenfalls mit seinen „Füllständen“ befassen? Umso besser: Selbst wenn du dein Gegenüber noch so gut kennen magst, erfährst du sicher einige Details, die dir bislang verborgen geblieben sind.

Und wenn dir deine Füllstände Sorgen bereiten, weil sie bei näherer Betrachtung doch deutlich unter deinen Erwartungen liegen? Wie wertvoll, dass du dem nun auf die Spur gekommen bist! Im Coaching können wir genau dort ansetzen, um in vertrauensvollen Gesprächen und mit hilfreichen Übungen dafür zu sorgen, dass du dir klarer wirst, welche nächsten Schritte du gehen möchtest, um deine innere Zufriedenheit zu steigern.

Ich wünsche dir eine spannende Reise auf dem Weg zu einem tieferen Verständnis über das, was ein gelungenes Leben für dich ganz persönlich bedeutet.

Und wenn du magst: Gib mir gern eine Rückmeldung zu deinen Erfahrungen mit den zusammengestellten Übungen.

Alles Liebe, Nina

 

 

Selbstreflektion: Wie steht es um deine PERMA-Faktoren?

 

Stell dir pro Faktor eine Skala von 1 – 10 vor.

Die 10 steht dabei dafür, dass der Faktor zu deiner vollsten Zufriedenheit erfüllt ist, dass du diesen Aspekt bewusst und hinreichend pflegst und keine Steigerung möglich ist.

Die 0 steht für das vollständige Fehlen dieses Aspekts.

 

1. Bestimme nun pro Faktor den aktuellen Status.
Wie zufrieden bist du aktuell mit den einzelnen Aspekten?

2. Welchen Wert strebst du jeweils an? Wie hoch sollten die einzelnen Faktoren ausgeprägt sein, wenn du einen Wunschwert nennen könntest?

3. Was wäre ganz konkret anders, wenn du deinen Zielwert erreicht hättest?
Woran machst du fest, dass du deinen Zielwert erreicht hast?
Welches Verhalten beobachtest du dann bei dir?
Wer in deinem Umfeld würde bemerken, dass du deinen Wunschwert erreicht hast? Woran?

4. Was sind nun die ersten konkreten Schritte, die du unternehmen kannst, um einen Schritt in Richtung x+1 zu machen?